Drehmomentwerkzeuge
Drehmoment kontrolliert übertragen, begrenzen und messen
Ein definiertes Drehmoment sorgt dafür, dass eine Schraubverbindung weder zu locker noch unnötig fest angezogen wird. Der passende Werkzeugtyp hängt davon ab, wie die Verbindung hergestellt werden soll. Mechanische Drehmomentschlüssel geben das Erreichen des eingestellten Werts über ein Signal, eine Bewegung oder ein Durchrutschen zu erkennen. Elektronische Ausführungen zeigen Messwerte digital an und können je nach Ausführung zusätzliche Funktionen für Speicherung, Auswertung oder Dokumentation bieten.
Aufsteck- und Einsteckwerkzeuge erweitern die Einsatzmöglichkeiten eines Drehmomentschlüssels. Sie ermöglichen unterschiedliche Schlüsselweiten, Schraubprofile und Bauformen, ohne dass für jede Anwendung ein vollständiges Einzelwerkzeug benötigt wird. Dabei muss die Aufnahme des Drehmomentschlüssels zum jeweiligen Werkzeug passen. Bei Aufsätzen mit abweichendem Abstand zwischen Aufnahme und Schraubenmittelpunkt kann sich die wirksame Hebellänge verändern. In solchen Fällen sind die Angaben des Herstellers zur Einstellung und Anwendung zu beachten.
Messgeräte und Prüfgeräte dienen nicht dem normalen Anziehen einer Schraube, sondern der Erfassung oder Kontrolle von Drehmomenten und Drehwinkeln. Sie werden eingesetzt, wenn Werkzeuge geprüft, Messwerte erfasst oder Schraubprozesse überwacht werden sollen. Für alle Anwendungen gelten die technischen Grenzen des jeweiligen Werkzeugs und die Anforderungen an eine regelmäßige Prüfung.
Aufsteckwerkzeuge für Drehmomentschlüssel
Aufsteckwerkzeuge sind wechselbare Werkzeugköpfe, die auf eine passende Aufnahme des Drehmomentschlüssels aufgesteckt werden. Sie übertragen das eingestellte Drehmoment auf die Schraube oder Mutter und ermöglichen die Anpassung an unterschiedliche Schlüsselweiten, Profile und Einbausituationen.
Aufsteckknarren besitzen einen Ratschenmechanismus. Die Drehrichtung kann in der Regel umgeschaltet werden, sodass Schrauben angezogen oder gelöst werden können. Sie eignen sich für Arbeiten, bei denen der Werkzeugkopf nicht nach jeder Teilbewegung abgesetzt werden soll.
Aufsteckmaulschlüssel greifen eine Mutter oder einen Schraubenkopf von zwei Seiten. Sie sind hilfreich, wenn das Verbindungselement seitlich zugänglich ist oder nicht vollständig übergriffen werden kann. Der Ansatz muss gerade und möglichst vollständig erfolgen, damit die Flächen des Verbindungselements nicht beschädigt werden.
Aufsteckprüfeinsätze dienen dazu, Drehmomentschlüssel oder Drehmomentaufnahmen mit einer Prüf- oder Messeinrichtung zu verbinden. Sie übertragen das Drehmoment definiert auf das Prüfmittel und werden vor allem bei Kontroll- und Prüfaufgaben eingesetzt.
Aufsteckringschlüssel umschließen die Mutter oder den Schraubenkopf mit einem Ring. Dadurch greifen sie an mehreren Flächen an und bieten bei geeigneter Zugänglichkeit eine sichere Kraftübertragung. Je nach Bauform stehen unterschiedliche Schlüsselweiten und Ringprofile zur Verfügung.
Aufsteckstiftschlüssel übertragen das Drehmoment über Stifte oder Zapfen in dafür vorgesehene Bohrungen, Nuten oder Sonderprofile. Sie werden eingesetzt, wenn ein Verbindungselement nicht mit einem herkömmlichen Maul- oder Ringschlüssel gegriffen werden kann.
Aufsteckvierkante stellen eine Vierkantaufnahme oder einen Vierkantantrieb für die Verbindung mit Steckschlüsseleinsätzen, Adaptern oder weiteren Werkzeugen bereit. Sie erweitern die Kombinationsmöglichkeiten und müssen hinsichtlich Größe, Sitz und Belastbarkeit zur übrigen Werkzeugkette passen.
Einsteckwerkzeuge für Drehmomentschlüssel
Einsteckwerkzeuge werden in eine passende Aufnahme des Drehmomentschlüssels eingeschoben. Die Einsteckaufnahme ermöglicht den schnellen Wechsel verschiedener Werkzeugköpfe. Je nach Bauform lassen sich damit offene, geschlossene, geratschte oder spezielle Werkzeugprofile einsetzen.
Einsteckadapter schaffen einen Übergang zwischen der Einsteckaufnahme und einer anderen Werkzeugaufnahme. Sie können beispielsweise die Verbindung zu einem Vierkant, einem Bithalter oder einem speziellen Werkzeugkopf herstellen. Aufnahme, Einstecktiefe und zulässiges Drehmoment müssen zusammenpassen.
Einsteckanschweißteile sind vorbereitete Werkzeugteile für individuelle oder anwendungsspezifische Lösungen. Sie können mit einem geeigneten Werkzeugkopf verbunden werden, wenn eine spezielle Geometrie oder ein besonderes Schraubprofil erforderlich ist. Die Auslegung, Herstellung und Prüfung einer solchen Lösung müssen fachgerecht erfolgen.
Einsteckbithalter nehmen Bits mit passendem Schaft auf. Sie ermöglichen den Einsatz wechselbarer Schraubprofile an einem Drehmomentschlüssel. Für die Anwendung muss der Bit vollständig gehalten werden und für das erforderliche Drehmoment ausgelegt sein.
Einsteckgriffe dienen als spezielle Handhabungs- oder Verlängerungselemente innerhalb eines Einstecksystems. Sie können die Führung, den Zugang oder die Bedienung bei bestimmten Arbeitspositionen erleichtern. Entscheidend ist, dass die vorgesehene Kraft- und Drehmomentübertragung eingehalten wird.
Einsteckmaulschlüssel werden in die Aufnahme eingeschoben und greifen Muttern oder Schraubenköpfe seitlich. Sie eignen sich für Verbindungselemente, die nicht vollständig über einen geschlossenen Werkzeugkopf erreicht werden können.
Einsteckringratschenschlüssel kombinieren einen geschlossenen Ring mit einem Ratschenmechanismus. Dadurch kann an schwer zugänglichen Stellen mit kurzen Bewegungen gearbeitet werden, ohne den Werkzeugkopf nach jedem Hub abzunehmen.
Einsteckringschlüssel umschließen das Verbindungselement mit einem geschlossenen Ring. Sie bieten eine gleichmäßige Anlage an geeigneten Flächen und sind in verschiedenen Schlüsselweiten sowie Profilformen erhältlich.
Einsteckumschaltknarren besitzen eine umschaltbare Ratschenfunktion. Sie ermöglichen den Wechsel zwischen Anziehen und Lösen und unterstützen zügige Arbeiten bei eingeschränktem Bewegungsraum.
Einsteckvierkante stellen eine Vierkantaufnahme für Steckschlüsseleinsätze oder Adapter bereit. Sie sind eine flexible Schnittstelle innerhalb des Einstecksystems. Der verwendete Steckschlüsseleinsatz muss zur Vierkantgröße, zum Schraubprofil und zum Drehmomentbereich passen.
Drehmomentbegrenzer
Drehmomentbegrenzer begrenzen die übertragene Kraft auf einen festgelegten Wert oder einen definierten Wertebereich. Wird der Grenzwert erreicht, unterbricht, trennt oder verändert der Mechanismus die Kraftübertragung – abhängig von der Bauart. Dadurch wird das Risiko reduziert, Schrauben, Gewinde oder Bauteile durch ein zu hohes Drehmoment zu belasten.
Drehmomentbegrenzer werden beispielsweise in Schraubwerkzeugen, Montagevorrichtungen oder wiederkehrenden Fertigungsprozessen eingesetzt. Sie eignen sich besonders dort, wo ein bestimmtes maximales Drehmoment eingehalten werden muss, ohne dass der Anwender den Wert jedes Mal manuell ablesen oder einstellen muss.
Vor dem Einsatz sind der Begrenzungswert, die Drehrichtung, die zulässige Belastung und die vorgesehene Anwendung zu prüfen. Ein Begrenzer ersetzt keine geeignete Prüfung, wenn eine dokumentierte Drehmomentkontrolle erforderlich ist.
Drehmomentmessgeräte
Drehmomentmessgeräte erfassen das Drehmoment, prüfen Werkzeuge oder messen zusätzlich den Drehwinkel. Sie werden eingesetzt, wenn nicht nur ein Drehmoment angewendet, sondern ein Messwert kontrolliert, ausgewertet oder dokumentiert werden soll.
Drehmomentmesswertgeber sind Sensoren, die ein wirkendes Drehmoment in ein elektrisches oder digitales Messsignal umwandeln. Sie können in Messaufbauten, Prüfständen oder Werkzeugen eingesetzt werden und liefern die Grundlage für eine quantitative Drehmomenterfassung.
Drehmomentprüfgeräte dienen zur Kontrolle von Drehmomentschlüsseln, Drehmomentschraubern und anderen Drehmomentwerkzeugen. Das Werkzeug wird mit dem Prüfgerät verbunden und mit einem definierten Drehmoment belastet. Der gemessene Wert kann anschließend mit dem Sollwert verglichen werden.
Drehwinkelmessgeräte erfassen die Drehbewegung beziehungsweise den Drehwinkel eines Verbindungselements oder Werkzeugs. Sie kommen bei Schraubverfahren zum Einsatz, bei denen nach einem Anziehdrehmoment zusätzlich ein definierter Winkel angezogen wird. Je nach System können Drehmoment und Drehwinkel gemeinsam betrachtet werden.
Für zuverlässige Messungen müssen Messbereich, Auflösung, Einbausituation und Messrichtung zur Anwendung passen. Messgeräte sollten entsprechend den betrieblichen und technischen Anforderungen regelmäßig überprüft werden.
Drehmomentschrauber
Drehmomentschrauber sind Schraubwerkzeuge, die ein definiertes Drehmoment auf eine Schraubverbindung übertragen. Sie können manuell, elektrisch oder pneumatisch betrieben werden. Je nach Ausführung wird das Drehmoment eingestellt, begrenzt, ausgelöst oder elektronisch überwacht.
Drehmomentschrauber werden vor allem bei wiederkehrenden Schraubarbeiten eingesetzt, bei denen gleichbleibende Anziehwerte und eine zügige Arbeitsweise wichtig sind. Sie können mit Bits, Steckschlüsseleinsätzen oder speziellen Werkzeugaufnahmen verwendet werden.
Die Auswahl richtet sich nach dem Drehmomentbereich, dem Schraubprofil, der Antriebsart, der benötigten Arbeitsgeschwindigkeit und der geforderten Prozesssicherheit. Für reproduzierbare Ergebnisse müssen Schrauber, Verbindungselement und Werkzeugaufnahme aufeinander abgestimmt sein. Bei kraftbetriebenen Ausführungen sind außerdem die Vorgaben zur Druckluft- oder Energieversorgung und zur regelmäßigen Prüfung zu beachten.
Drehmomentvervielfältiger
Drehmomentvervielfältiger erhöhen das am Eingang eingeleitete Drehmoment über ein Getriebe. Dadurch können sehr hohe Anzugsmomente aufgebracht werden, ohne dass der Bediener die gesamte Kraft direkt über einen langen Hebel erzeugen muss. Der Vervielfältiger wird zwischen Antrieb und Steckschlüsseleinsatz oder Werkzeugkopf eingesetzt.
Bei der Kraftverstärkung entsteht ein Gegenmoment. Ein Reaktionsarm nimmt dieses Gegenmoment an einer geeigneten, stabilen Anlagefläche auf und verhindert, dass sich das Werkzeuggehäuse mitdreht. Der Reaktionsarm muss sicher an einem dafür geeigneten Gegenlager anliegen und darf nicht als zusätzlicher Hebel zum Anziehen verwendet werden.
Drehmomentvervielfältiger werden häufig mit Drehmomentschlüsseln oder anderen kontrollierten Antrieben kombiniert. Für die Auswahl sind Übersetzungsverhältnis, Eingangs- und Ausgangsdrehmoment, Antriebsgrößen, Platzverhältnisse und die zulässige Reaktionskraft entscheidend. Vor der Anwendung muss der gesamte Aufbau gegen Verrutschen und unbeabsichtigtes Lösen gesichert werden.
Mechanische Drehmomentschlüssel
Mechanische Drehmomentschlüssel übertragen ein eingestelltes Drehmoment und zeigen das Erreichen des Zielwerts durch ein mechanisches Signal oder eine definierte Bewegung an. Je nach Bauart wird der Kraftfluss ausgelöst, der Griff knickt ab oder der Mechanismus rutscht durch.
Abknickende Drehmomentschlüssel geben beim Erreichen des eingestellten Werts durch das Abknicken eines Griff- oder Kopfteils nach. Das Signal ist deutlich spürbar und hilft, den Anziehvorgang rechtzeitig zu beenden.
Auslösende Drehmomentschlüssel geben beim Erreichen des Zielwerts ein fühl- oder hörbares Signal. Der Auslösemechanismus unterstützt eine wiederholgenaue Arbeitsweise, sofern der Schlüssel richtig eingestellt und in der vorgesehenen Richtung belastet wird.
Durchrutschende Drehmomentschlüssel unterbrechen die weitere Drehmomentübertragung, indem der Mechanismus bei Erreichen des eingestellten Werts durchrutscht. Dadurch wird das Weiterdrehen über den Zielwert hinaus erschwert.
Die Bezeichnungen für Aufsteckwerkzeuge, für Einsteckwerkzeuge und für Steckschlüsseleinsätze beschreiben die Schnittstelle des Drehmomentschlüssels. Schlüssel für Aufsteckwerkzeuge besitzen eine Aufnahme für wechselbare Aufsteckköpfe. Schlüssel für Einsteckwerkzeuge nehmen Werkzeugköpfe in einer Einsteckaufnahme auf. Schlüssel für Steckschlüsseleinsätze verfügen über einen Vierkant, auf den passende Einsätze gesteckt werden.
Bei der Auswahl sind Drehmomentbereich, Genauigkeit, Arbeitsrichtung, Bauform und Anschlussart zu berücksichtigen. Das Drehmoment wird entsprechend der vorgesehenen Skala oder Einstellvorrichtung eingestellt. Nach dem Auslösen oder Signal darf die Kraft nicht weiter erhöht werden, sofern die Bauart keine andere Anwendung ausdrücklich vorsieht.
Elektronische Drehmomentschlüssel
Elektronische Drehmomentschlüssel erfassen das Drehmoment über einen Sensor und zeigen den Messwert auf einem Display oder über ein elektronisches Signal an. Je nach Ausführung können sie das Erreichen eines Zielwerts optisch, akustisch oder haptisch signalisieren und Messwerte speichern oder übertragen.
Sie eignen sich für Anwendungen, bei denen ein Drehmoment präzise eingestellt, überwacht oder dokumentiert werden soll. Einige Systeme können zusätzlich den Drehwinkel erfassen oder mehrere Schraubparameter in einem Arbeitsablauf berücksichtigen. Welche Funktionen tatsächlich verfügbar sind, hängt von der jeweiligen Ausführung ab.
Für eine zuverlässige Messung müssen Batteriezustand, Messrichtung, Messbereich und Werkzeugaufnahme zur Anwendung passen. Das Werkzeug sollte gerade angesetzt und entsprechend den Bedienvorgaben belastet werden. Elektronische Funktionen erleichtern die Kontrolle, ersetzen aber nicht die regelmäßige Prüfung und fachgerechte Handhabung des Drehmomentwerkzeugs.